Findlingspreise für vier junge Frauen

mardi 17 septembre 2019
Flankiert von den beiden Rotary-Mitgliedern Manuela Tanner und Kurt Wild nehmen Melinda Bär, Lena Rütsche, Sanja Trajkovska und Marina Schwarze (von links) ihre Findlinge und Checks entgegen. Foto: André SpringerFlankiert von den beiden Rotary-Mitgliedern Manuela Tanner und Kurt Wild nehmen Melinda Bär, Lena Rütsche, Sanja Trajkovska und Marina Schwarze (von links) ihre Findlinge und Checks entgegen. Foto: André Springer

Seit vielen Jahren vergibt der Rotary Club Au am Zürichsee jährlich Preise an junge Menschen aus der Region, die eine findige Spitzenleistung erbracht haben. Sei dies in Schule, Beruf oder Gesellschaft.

Der Titel des Preises ist symbolisch: Es geht darum, jugendliche «Findlinge» zu entdecken, weiter anzuspornen und fördern. Sie sollen Aufmerksamkeit erlangen und ihren Altersgenossen als Vorbild dienen. Die Auszeichnung besteht aus einem kleinen Findlingsstein und einem Check in Höhe von 1000 Franken. Der Findling stellt etwas Aussergewöhnliches dar. Er gelangt unter grosser Ausdauer, Geduld und Schaffenskraft an sein Ziel.

Mittagstisch für behinderte Kinder

Melinda Bär und Lena Rütsche, beide 15-jährig und aus Hütten, nahmen die Preise in vertrauter Umgebung entgegen. Im letzten Sekundarschuljahr betreuten sie jeweils an einem Donnerstag in der Stiftung Bühl Kinder mit einem Down-Syndrom. «Wir haben mit ihnen zu Mittag gegessen und abgewaschen. Danach haben wir gespielt oder haben uns aufs Velo gesetzt», schilderte Melinda Bär den Tagesablauf. «Die Kinder haben uns immer freudig begrüsst, ihre Freude übertrug sich auf uns», sagte Lena Rütsche. Ihr soziales Engagement werden sie fortsetzen, beide Gewinnerinnen haben eine Lehre als Fachangestellte Gesundheit begonnen.

«Mühlen in Kamerun»

Die 20-jährige Marina Schwarze aus Oberrieden wirkte in den letzten Jahren in vielfältigen karitativen Projekten mit nationalem und internationalem Bezug mit. Sie sammelte Geld für eine Schule in Malawi. An der Kantonsschule Enge setzte sie sich mit dem Projekt «Mühlen in Kamerun» für das Land in Afrika ein. Auf eigene Initiative unterrichtete sie ein Flüchtlingskind in Deutsch und Mathematik, und ihre Maturarbeit hatte die «Auswirkung von Hundebesuchen bei Menschen mit einer Behinderung» zum Inhalt. «Ich arbeite gerne mit Menschen und für Menschen», sagte die angehende Studentin. Was sie studieren wolle, sei noch offen. Zuerst wird sie ein Zwischenjahr einschalten und auf Reisen gehen.

Von der Schülerin zur Lehrerin

Als eigentliches Sprachgenie wird Sanja Trajkovska in die Geschichte der Ehrung eingehen. Sie nahm aus den Händen von Stiftungsrat Dieter Graf die Preise entgegen. Vor zweieinhalb Jahren kam die 16-Jährige ­– ohne Deutsch zu sprechen – mit ihren Eltern aus Mazedonien nach Wädenswil. Bislang hatte sie sich mit dem kyrillischen Alphabet herumschlagen müssen. In der Sprach- und Integrationsschule Academia in Horgen lernte sie vier Monate lang Deutsch und kam danach in die Sek B. Schnell erfolgte der Wechsel in die Sek A. Als es darum ging, welches Wahlfach sie belegen möchte, änderte sie die Rolle: Sie kehrte in die Academia zurück, um selber jungen Neuankömmlingen in der Schweiz Deutsch beizubringen. «Ich bekam viel und wollte etwas zurückgeben», sagte die angehende Fachangestellte Gesundheit. Im Gespräch mit ihr wird deutlich: Sanja spricht bereits perfekt Züritüütsch.